Vor kurzem haben wir zwei neue Projekte in Indien gestartet: ein zweites Dorfprojekt und eine Nähwerkstatt. Außerdem wurde das Schulpatenschaftenprogramm ausgebaut, sodass wir nun 7 Kindern den Besuch im Internat ermöglichen. Heute möchte ich euch daher einen Überblick zum aktuellen Stand der Projekte vor Ort geben:

Von den sieben Kindern in unserem Schulpatenschaften, bei dem Kinder aus den Dorfschulen einen Schulbesuch im nahen Internat erhalten, sind letzte Woche zwei Kinder Woche nach Hause weggelaufen. Schwester Sneha, die Sozialarbeiterin und Projektkoordinatorin vor Ort, arbeitet seitdem an der Rückkehr der Kinder. Für die Familien und insbesondere die Kinder ist der Besuch im Internat am Anfang eine große Umstellung. Im Internat herrscht ein geregelter Alltag mit Pflichten, was neu ist für die Kinder, die aus dem Dorf ein recht unstrukturiertes Leben gewohnt sind. Oft verstehen die Eltern, die selbst nie eine Schule besucht haben, nicht, wie wichtig Schulbildung für ihre Kinder ist und welche Möglichkeiten sie ihnen bieten kann. Aber noch ist es zu früh aufzugeben. Auch der vorgestrige Tag hat gezeigt wie wichtig es ist, weiterhin zu versuchen, dass die Kinder ins Internat zurückkehren: Schwester Sneha ist am Morgen ins Dorf gefahren, um mit den Familien zu sprechen, aber sie hat dort niemanden antreffen können. Die Familien sind mit den Kindern zum Arbeiten auf die Felder aufgebrochen. Das Internat verhindert somit Kinderarbeit und schafft langfristig auch bessere Perspektiven für die Kinder.
Unser Projektbetreuer vor Ort hat die Familien abends noch einmal besucht und den Eltern das Versprechen abgenommen, dass sie ihre Kinder zurück ins Internat bringen. Es bleibt abzuwarten, wie es sich weiter entwickelt.

Das neue Dorfprojekt wurde in der Gemeinschaft von Yadavpur gut angenommen. Im Juni gab es für die Kinder aus den zwei Dorfprojekten ein fünftägiges Sommerlager auf dem Klostergelände des St. Catherine’s Convent. Letzte Woche fand ein fünftägiges Training für die Lehrerinnen der Dorfschulen statt, wofür Schwester Sneha einen Experten engagiert hat. Die Lehrerinnen waren sehr glücklich über die neuen Impulse und Lernmethoden.

Die erste Gruppe Nähschülerinnen (mit Schwester Sneha, den zwei Nählehrerinnen und der Lehrerin der Dorfschule).

Die Nähwerkstatt ist ebenfalls erfolgreich gestartet und hat inzwischen schon 22 Schülerinnen, die dort eine Ausbildung zur Näherin erhalten. Es wurden im Dorf Plakate aufgehängt, um die Nähwerkstatt noch weiter bekannt zu machen. Laut Schwester Sneha sind die Menschen im Dorf sehr glücklich über diese neue Entwicklung.
Es gab vor ein paar Wochen allerdings einen kleinen Vorfall. Die Nählehrerin, die in der benachbarten Stadt lebt, wurde auf ihrem Nachhauseweg von einer Gruppe Heranwachsender verfolgt und belästigt. Leider ist die Situation für Frauen in Indien, insbesondere in ländlichen Gegenden, noch immer schwierig. Unserer Lehrerin ist nichts passiert, aber sie fühlte sich nach diesem Vorfall nicht mehr sicher, die Nähwerkstatt im Dorf alleine zu betreiben. Schwester Sneha hat sofort reagiert und auf Wunsch der Lehrerin eine zweite Kollegin eingestellt, mit der sie nun gemeinsam arbeitet. Wir befürworten das Vorgehen von Schwester Sneha und sind froh über die neue Unterstützung.

Schwester Sneha (Mitte) und die zwei Nählehrerinnen Neha und Manju.

Auch wenn wir nun in den letzten Wochen kleinere Rückschläge hinnehmen mussten, überwiegen doch die positiven Veränderungen. Rückschläge gehören dazu und ich möchte euch solche auch offen und transparent mitteilen. Glücklicherweise sind unsere Partner in Indien sehr motiviert und lassen sich durch so etwas nicht unterkriegen. Wir können sehr froh sein, dass wir uns auf sie verlassen können.